26.09.2019

„Der Mensch im Mittelpunkt“ war das Motto des 28. Tages Sächsischer Wohnungsgenossenschaften

Am 24. September 2019 trafen sich knapp 400 Teilnehmer zum 28. Tag Sächsischer Wohnungsgenossenschaften – der wichtigsten Tagung des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e. V. – im Internationalen Congress Center Dresden.

Dr. Axel Viehweger, Vorstand des VSWG, eröffnete die Tagung und betonte, dass der Mensch bei allen Themen nicht auf der Strecke bleibt und im ganzen gesellschaftlichen Komplex immer wichtiger wird. Denn letztendlich entscheiden die Menschen über die Technik und lenken diese. Sie sind dafür verantwortlich und nicht irgendein SUV allein. Bedenklich sah der Vorstand den Umstand, dass früher jemand, der unbekannt war, ein Fremder war und heute ein Follower ist. Das Credo der Gesellschaft ist, das alles erlaubt sei, was anderen nicht schadet. Aber viele denken über die Folgen nicht nach. Dr. Viehweger fasste zusammen: „Wir denken global, handeln global, aber wir wohnen nicht global. Wir schaffen eine Heimat beim Wohnen und können dadurch auch einen Halt geben.“

Anschließend referierte Mirjam Luserke zur genossenschaftlichen Teilhabe im Heute und Morgen, bei der der Mensch zählt. Die Mitglieder wohnen im Schnitt 15,5 Jahre in ihrer Wohnung und das liegt daran, dass Genossenschaften teilhaben lassen. Teilhaben im Sinne von partizipieren am Unternehmen in wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch teilhaben lassen im Sinne von sozial Anteil nehmen am Mitglied. Sie zeigen ein menschliches Gesicht und kümmern sich um die Bedürfnisse der Mitglieder. Das ist das entscheidende Unterschiedskriterium zu profitorientierten Unternehmen und ein Pfund, mit dem Wohnungsgenossenschaften noch wuchern können. In heutigen Zeiten umso mehr und umso wichtiger.

Mit den Worten „Ein gutes Personal ist eine bessere Visitenkarte als jeder Interauftritt“ leitete Dr. Viehweger zum Vortrag „Personalpolitik neu gedacht – Die Antwort auf Vollbeschäftigung und demografischen Wandel“ von Matthias Wolf, Geschäftsführender Gesellschafter der FondsFair Consulting and Assets GmbH über. Herr Wolf erklärte, dass das Problem der Fachkräftemangel sei. Firmen müssen zunehmend Kunden und neue Aufträge ablehnen, da sie es zeitlich und personell nicht mehr schaffen. Er appellierte an alle Anwesenden, dass Arbeitgeber, die ihre Personalpolitik heute nicht zukunftsfähig gestalten, innerhalb der nächsten sieben Jahre die DNA ihres Unternehmens verlieren werden. Heutzutage sind meist fünf Generationen unter einem Dach im Unternehmen. Daher ist es entscheidend, dass Normen und Werte die Personalpolitik definieren und die Unternehmenskultur prägen.

Nach der ersten Kaffeepause und der Möglichkeit, die insgesamt 54 Aussteller zu besuchen, berichtete Antje Stiegel von der Siemens AG, welche Folgen die Digitalisierung für den Arbeitsplatz, für die Mitarbeiter und für die Führungskräfte nach sich zieht. Das Geschäftsumfeld, in dem Führungskräfte agieren, wird zunehmend VUCA (= volatil, unsicher, komplex und unklar). Gleichzeitig stehen Führungskräfte vor Herausforderungen im Hinblick auf die „neuen“ Generationen. Dies alles erfordert einen neuen Führungsstil und Führungskräfte mit „digitalen“ Führungskompetenzen.

Einen Höhepunkt der Tagung stellte danach die Vergabe der diesjährigen VSWG-Awards dar. Es wurden genossenschaftliche Projekte vorgestellt und ausgezeichnet, die eine innovative Idee repräsentieren und von anderen Genossenschaften nachgenutzt werden können. Der VSWG-Award 2019 ging an die Wohnungsgenossenschaft Gröditz eG für den Umbau eines viergeschossigen Wohnblockes zum selbstbestimmten Wohnen im Alter, an die Wohnungsgenossenschaft „Sachsenring“ eG für die Nachrüstung von 65 Aufzugsanlagen an ihrem kompletten Bestand und an die LebensRäume Hoyerswerda eG für die Einführung einer sogenannten FlexiFlat – möblierte Wohnungen für Kurzentschlossene als Instrument zur Leerstandsminimierung. Die drei Preisträger erhielten neben dem Award einen zuvor produzierten Imagefilm ihres Projektes, der erstmals beim 28. Tag Sächsischer Wohnungsgenossenschaften gezeigt wurde und im Nachgang für die eigene Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden kann.

Nach der Mittagspause gewährte der Hirnforscher Dr. Henning Beck einen Einblick in das Gehirn, das mit Nervenimpulsen die wichtigsten Körperfunktionen steuert. Dabei betonte er, dass ein Gehirn grundsätzlich anders als eine Maschine arbeitet und Informationen niemals mit Wissen verwechselt werden darf. So wird analoges Wissen nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden. Im Gehirn arbeiten 80 Milliarden Zellen, wobei jede Zelle mit 10.000 anderen Zellen verknüpft ist. So denken Menschen in Konzepten, was Maschinen nicht so leicht können. Wenn man als Mensch einmal etwas verstanden hat, kann man es dann nicht mehr „entverstehen“. Die Daten sind laut Dr. Beck zwar gleich, aber die Fähigkeit, diese in einem Zusammenhang zu bringen, ist unterschiedlich. Dies unterscheidet kreatives Denken des Gehirns ganz wesentlich von der künstlichen Intelligenz eines Computers. Er erklärte, dass man die besten Wissenschaftler daran erkennt, dass sie die besten Fragen stellen und noch keine Antworten darauf geben können. Denn Wissen erzeugt Wissen. Auch sollte keiner Angst vor Fehlern haben, da das Gehirn daraus lernt. Diese Fähigkeit wird Kindern in die Wiege gelegt. Dr. Beck beendete seinen sehr unterhaltsamen Vortrag mit den Worten „Die nächste große Idee wird von einem Gehirn ausgedacht und von keiner Maschine entwickelt werden.“

Professor Dr. Armin Nassehi referierte anschließend als Soziologe über den Siegeszug der Digitalisierung, in dessen Handeln immer der Mensch im Mittelpunkt stand. Die meisten Prozesse werden digital gesteuert und kontrolliert, aber das Leben muss analog geführt werden. Techniken können sich in Gesellschaften nur durchsetzen, wenn sie ein Problem lösen. Die Technik dient nie nur dem Anwender, sondern wirkt in Rückkopplungen zurück. Die digitale Technik strukturiert selbst analoge Prozesse.

Vor der nächsten Kaffeepause gab es noch einen Grund zum Feiern. Die leistungsstärksten Auszubildenden aus sächsischen Wohnungsgenossenschaften wurden für ihre anerkennenswerte Leistung vom Verband prämiert. In diesem Jahr erreichte nur eine Auszubildende die dafür erforderliche Punktzahl – Vera Kirmes von der Wohnungsgenossenschaft „Glückauf“ Süd Dresden e. G. Im Anschluss stellte Thorsten Bachler die Azubikampagne der Wohnungswirtschaft „Azubis: Wert(e)voller als Sie denken!“ vor.

Im letzten Teil der Tagung ging es um die Praxisbeispiele von Vorständen für Vorstände. Andreas Vondran, Vorstand der WOGEDO Düsseldorf-Ost eG, präsentierte überzeugend, warum Wohnungsgenossenschaften als Arbeitgeber in digitalen Zeiten attraktiv und nicht zum Gähnen sind. Axel Fietzek, Vorstand der LebensRäume Hoyerswerda eG, zeigte am eingeführten Nachbarschaftsfonds zur Förderung der genossenschaftlichen Selbstverwaltung, dass Mitgliederförderung auch noch anders geht. Alexandra Bienert, Leiterin Personal der Wohnungsgenossenschaft „Lipsia“ eG berichtete, dass Nachwuchsförderung in Zeiten des Fachkräftemangels essentiell sei.

Dr. Axel Viehweger beendete die Tagung des 28. Tages Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, indem er sich bei den zahlreichen Ausstellern für ihre Unterstützung bedankte und forderte alle Anwesenden auf, sich ihre eigene Meinung zu bilden, ihren Werten zu vertrauen und sich nicht nach anderen zu richten.

Das Get-together mit dem Sektempfang fand im Anschluss auf der Terrassenebene des Internationalen Congress Centers statt, bei dem der kollegiale Wissensaustausch weiter vertieft wurde. Der Schnellzeichner Ferdinand Georg erstellte sehr zur Erheiterung vieler Anwesenden innerhalb wenigen Minuten Karikaturen zum Mitnehmen. Vor dem Abendessen hielt der Sächsische Innenminister Prof. Roland Wöller noch ein Grußwort, in dem er die Rolle und Bedeutung der Wohnungsgenossenschaften im Freistaat Sachsen würdigte. Bei anregenden Gesprächen mit musikalischer Untermauerung der Liveband Manina klang der 28. Tag Sächsischer Wohnungsgenossenschaften zu vorgerückter Stunde aus. Der 29. Tag Sächsischer Wohnungsgenossenschaften findet im nächsten Jahr am 15. September 2020 statt.

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Vivian Jakob

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