36. Verbandstag des VSWG in Radebeul

Am 1. Juli 2026 fand im Radisson Blu Park Hotel in Radebeul der 36. Verbandstag des VSWG statt. Nach dem Gastspiel in Leipzig kehrte der Verband an seinen traditionellen Veranstaltungsort zurück. Bereits am Vormittag nutzten zahlreiche Vorstände die Gelegenheit zum Besuch der Aussteller, um miteinander ins Gespräch zu kommen, bevor am Nachmittag parallel die Mitgliederversammlungen des VSWG und vdw Sachsen begannen. Im Anschluss stand mit dem öffentlichen Forum erneut der gemeinsame wohnungspolitische Dialog von VSWG und vdw Sachsen im Mittelpunkt.
Während der formale Teil des Verbandstages die Berichte des Vorstandes, des Verbandsrates sowie des Prüfungsausschusses und die Beschlussfassungen der Mitgliederversammlung umfasste, zeigte sich im Bericht von Prof. Dr. Klaus-Peter Hillebrand, Vorstand für den Prüfungsbereich, wie breit das Aufgabenspektrum des Verbandes inzwischen geworden ist. Neben dem positiven wirtschaftlichen Jahresabschluss standen insbesondere zahlreiche gesetzliche und regulatorische Entwicklungen im Mittelpunkt. Dazu gehörten unter anderem die geplante Reform des Genossenschaftsgesetzes, Änderungen im Geldwäschegesetz, das Jahressteuergesetz 2026, die zunehmende Digitalisierung der Abschlussprüfung durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz sowie die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Im Interessenbereich richtete VSWG-Vorstand Mirjam Philipp den Blick vor allem auf die wohnungswirtschaftlichen Herausforderungen der vergangenen Monate. Die Bezahlbarkeit des Wohnens bleibt das zentrale Anliegen der sozial orientierten Wohnungswirtschaft. Steigende Bau-, Finanzierungs- und Betriebskosten sowie wachsende regulatorische Anforderungen führen dazu, dass Investitionen zunehmend schwieriger zu realisieren sind. Gleichzeitig verdeutlichen die aktuellen Zahlen, dass die Wohnungsgenossenschaften trotz hoher Gesamtinvestitionen immer weniger Neubau realisieren können. Die Mittel fließen zunehmend in Modernisierung und Bestandserhaltung.
Ein weiteres zentrales Thema blieb der Leerstand in zahlreichen Regionen Sachsens außerhalb der Großstädte. Damit verbunden stellte der Vorstand erneut die Forderung nach einer stärker differenzierten Wohnungspolitik in den Mittelpunkt. Während in angespannten Wohnungsmärkten zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden müsse, benötigten Regionen mit strukturellem Leerstand andere politische Instrumente und Förderansätze. Gleichzeitig sei eine stärkere Priorisierung politischer Ziele notwendig, um Investitionen überhaupt noch wirtschaftlich darstellen zu können.
Mirjam Philipp berichtete zudem über eine intensive Interessenvertretung gegenüber Politik und Verwaltung. Zahlreiche Pressekonferenzen, Gespräche mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten, der enge Austausch mit dem Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung sowie die Zusammenarbeit mit den mitteldeutschen Wohnungsverbänden und dem vdw Sachsen verdeutlichten den hohen Stellenwert der politischen Arbeit. Ziel bleibt es, die Rahmenbedingungen für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft nachhaltig zu verbessern und insbesondere die Themen Bezahlbarkeit, Investitionen und Leerstand stärker im politischen Bewusstsein zu verankern.
Den öffentlichen Teil des Verbandstages bildete anschließend das gemeinsame Forum von VSWG und vdw Sachsen unter dem Titel „Die Verbände im Gespräch mit Bund und Land“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bezahlbarer, sicherer und sozialer Wohnraum auch künftig gewährleistet werden kann. Diskutiert wurden unter anderem steigende Baukosten, die rückläufige Neubautätigkeit, wachsende Energie- und Betriebskosten, die Leerstandssituation in weiten Teilen Sachsens sowie die zunehmende Regulierungsdichte und die absehbaren Finanzierungslücken der öffentlichen Haushalte.
Nach Impulsvorträgen von der Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland, Staatsministerin Elisabeth Kaiser, sowie der Staatsministerin Regina Kraushaar diskutierten beide Ministerinnen gemeinsam mit VSWG-Vorstand Mirjam Philipp und dem Verbandsdirektor des vdw Sachsen, Alexander Müller, sowie GdW-Präsident Axel Gedaschko über die zukünftigen politischen Rahmenbedingungen für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere Investitionsfähigkeit, Bürokratieabbau, Förderpolitik sowie die Frage, wie Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und dauerhaft bezahlbare Mieten künftig besser miteinander in Einklang gebracht werden können.
Deutlich wurde im Verlauf der Diskussion, dass die Wohnungswirtschaft weiterhin bereit ist, ihre Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum wahrzunehmen. Gleichzeitig machten alle Beteiligten deutlich, dass hierfür verlässliche politische Rahmenbedingungen, realistische Zielsetzungen sowie eine stärkere Berücksichtigung der unterschiedlichen Marktbedingungen in Deutschland erforderlich sind. Gerade für Ostdeutschland und Sachsen seien passgenaue Lösungen notwendig, um sowohl Investitionen als auch die Bewirtschaftung bestehender Wohnungsbestände dauerhaft sicherzustellen.
Den Ausklang fand der Verbandstag traditionell beim gemeinsamen Get-together und der Abendveranstaltung. Die Gespräche zwischen den Mitgliedsunternehmen, Gästen aus Politik, Verwaltung und Verbänden sowie den Ausstellern boten erneut zahlreiche Gelegenheiten zum fachlichen Austausch und zur Vertiefung bestehender Kontakte. Der Verbandstag zeigte einmal mehr, dass die sozial orientierte Wohnungswirtschaft ihre Themen geschlossen und mit klaren politischen Botschaften vertritt und dass der Dialog zwischen Wohnungswirtschaft und Politik gerade in herausfordernden Zeiten wichtiger ist denn je.
Wer den nächsten Verbandstag nicht verpassen möchte, kann sich bereits heute den 7. Juli 2027 vormerken. Dann trifft sich der VSWG zum 37. Verbandstag erneut in Radebeul.